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Warnzeichen für einen ungesunden Mediengebrauch bei Heranwachsenden

© mariesacha_Fotolia.com

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Die Übergänge zwischen normalem Mediengebrauch und krankhaftem Nutzungsverhalten von Handy und Computern sind zwar fließend. Es gibt aber deutliche Warnzeichen für eine problematische Entwicklung bis hin zur Internetspielsucht.

Einer aktuellen Basisuntersuchung zum Medienumgang Heranwachsender (siehe JIM-Studie, November 2022) spielen 9 Prozent der befragten Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren durchschnittlich mehr als vier Stunden Computer-, Konsolen-, Tablet- oder Smartphone-Spiele pro Tag. Die Übergänge zwischen normalem Mediengebrauch und krankhaftem Nutzungsverhalten von Handy und Computern sind zwar fließend. Es gibt aber deutliche Warnzeichen für eine problematische Entwicklung bis hin zur Internetspielsucht. „Eine problematische Entwicklung zeichnet sich bereits ab, wenn Betroffene beginnen, die Mediennutzung allen anderen Aktivitäten vorzuziehen, und wenn ihr Interesse an realen sozialen Beziehungen zunehmend nachlässt“, erläutert Dr. Ingo Spitczok von Brisinski vom Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP). „Wenn Computerspiele zur Stressbewältigung eingesetzt werden, um negative Gefühle abzumildern oder Probleme zu verdrängen, oder die Mediennutzung zu einem Abfall schulischer Leistungen oder zu Schlafstörungen aufgrund einer Verschiebung des Tag-und-Nacht-Rhythmus führt, sind das deutliche Hinweise für einen ungesunden Mediengebrauch. Wenn Betroffene das problematische Verhalten dennoch fortsetzen und beibehalten, obwohl ihnen die negativen Konsequenzen bekannt sind, deutet das auf eine psychische Abhängigkeit hin. Typische Anzeichen einer Abhängigkeitserkrankung sind Entzugserscheinungen: Wenn Betroffene keinen Zugriff auf das Internet haben, können sie gereizt, unruhig und launisch reagieren, sich schlecht konzentrieren, aber auch depressiv verstimmt oder ängstlich sein. “

Überlegen, was im realen Leben möglicherweise zu kurz kommt

Die Beschäftigung mit dem Internet kann Betroffenen Freude und Erfolge vermitteln, die sie im wirklichen Leben möglicherweise zu wenig erleben, und ihnen somit dabei helfen, Probleme aus der realen Welt zu verdrängen. Das kann zu einem Teufelskreis führen, da sich mit zunehmender Fokussierung auf die virtuelle Welt die ungelösten Probleme in der Realität anhäufen, während ihre erfolgreiche Bewältigung aufgrund der gleichzeitig stetig zunehmenden Verdrängungsmechanismen verhindert wird. „Eltern sollten daher nicht nur das Ausmaß der Mediennutzung reglementieren. Sie sollten auch hinterfragen, was ihr Kind an den Spielen und Interaktionen im Internet so anzieht, und überlegen, warum das möglicherweise im realen Leben zu kurz kommt und durch welche sozialen Aktivitäten und Hobbies sich das eventuell ersetzen ließe. Hierzu können auch Kinder- oder Jugendpsychiater zu Rate gezogen werden“, betont Dr. Spitczok von Brisinski.

(äin-red) Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderpsychiater-im-netz.de und www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des Patientenportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.